Huaraz-Huanuco

Direkt nach dem ich in Huaraz den letzten Eintrag geschrieben habe, hat es mich ordentlich erwischt! Nach einem kurzen Schläfchen am Nachmittag ging es mir ziemlich schlecht! Beim Abendessen habe ich außer ein paar trockenen Fritten nix runter bekommen und hoffte noch, dass die bevorstehende Nacht Besserung bringen werde. Schließlich sollte es an den nächsten Tagen zu dem höchsten Punkt des Andentrail gehen…

Aber die Hoffnung war vergebens. Es folgte eine Nacht in der ich entweder aufgrund meines schlechten Zustands oder aufgrund der vielen lauten Geräusche vor unserem Hotel aufwachte. So schleppte ich mich regelmäßig zum Klo, Erleichterung durch Übergeben war aber nicht angesagt! So fühlte ich mich am nächsten Morgen so schwach, dass es mir unwahrscheinlich schien, dass ich die bevorstehende Etappe mit dem Anstieg auf 4.200m und dem dortigen (höchsten) Bush-Camp der Tour überstehen würde. Fieber konnten Didier und ich zwar nicht messen – nur ein wenig erhöhte Temperatur – aber als ich meinen morgendlichen Ruhepuls gemessen habe, gab es nicht mehr viel zu überlegen!
Ein Durchschnittlicher Wert der über 30(!) Schläge höher ist als der zuletzt gemessene Wert war auch durch die aktuelle Höhe von 3.000m nicht mehr zu erklären. Also war die Entscheidung gefallen, dass ich den Truck nehmen werde, dafür zwölf Stunden Zeitstrafe bekomme. Die hauchdünne Führung von 2 Minuten wäre ich sowieso spätestens auf einer der nächsten bergigen Etappen los gewesen!

Die Fahrt im Truck war auch nicht viel angenehmer! Im Camp auf 4.200m war es zunächst nicht ganz so kalt wie erwartet. Das änderte sich jedoch gegen Abend mit verschwindender Sonne und aufkommendem Wind! So hatte ich wirklich Bedenken mich au dem Windschatten des Trucks völlig durchgefroren zu meinem Zelt zu schleppen und auf die sicherlich noch kältere Nacht zu warten. Letztendlich erwies sich mein Schlafsack jedoch als so warm, dass ich nach spätestens einer halben Stunde nicht mehr fror und die Nacht einigermaßen gut überstand. Den Durchfall den ich tagsüber nun auch hatte bekämpfte ich am nächsten Morgen mit Imodium. Der Rat von Topper und Michiel, dass ich 2 Tabletten nehmen müsste, zeigte deutliche Wirkung! Für die nächsten 3 Tage bis heute morgen, war NICHTS mehr zu merken.

Ich versuchte also am nächsten Tag die neutralisierte Etappe über den höchsten Pass der Tour von knapp 4.900m zu fahren. Die ersten knapp 40km dieser Etappe ging es fast stetig bergauf, es wahr bitterkalt, einige Schneeflocken kamen uns entgegen geweht und die Straße war sehr schlecht. So brauchte ich mit regelmäßigen kurzen Pausen ca. 5 Stunden, bis auf auf die 30km lange Abfahrt nach Huallanca ging. Hier, auf 3.500m, gab es wenigstens wieder etwas Sauerstoff… Weniger schön war allerdings, dass das vorgesehene Hotel nicht für uns reserviert war, da die Straßenarbeiter hier wohnten. Folglich mussten wir im Nieselregen ein weiteres Bush-Camp aufschlagen!

Mein Zustand verbesserte sich auch am Tag darauf, an welchem nur eine kurze nicht besonders anstrengende Etappe auf dem Plan stand. Ein halber Ruhetag! Auch wegen der neuerdings asphaltierten Straße – dank der besagten Arbeiter!

Der letzte Tag hier nach Huanuco war dann wieder härter. Während der letzten Austragung vor zwei Jahren hatten die schnellsten Fahrer das 110km lange Teilstück in 9 Stunden bewältigt! Zu den 1200 Höhenmetern kam da allerdings eine äußerst schlechte Straße. Die blieb uns gottseidank erspart – es war alles asphaltiert. Ansonsten wäre die 60km lange Abfahrt bei 8° und strömendem Regen auch unmachbar gewesen. Auch so habe ich schon nach einem Drittel der Strecke ungefähr die Hälfte meiner verkrampft bremsenden Finger nicht mehr gespürt – unvorstellbar wenn man es hier noch mit einer schlechten unbefestigten Piste zu tun gehabt hätte…

Den Rest des Tages sowie den heutigen Ruhetag habe ich ganz bewusst äußerst ruhig angehen lassen, damit ich für die bevorstehenden 3 Etappen wieder genug Kräfte habe. Morgen steht einer der härtesten Etappen auf dem Programm! Zwar ist wiederum alles asphaltiert – jedoch sind auf 120km über 2600 Höhenmeter zu überwinden. Und da wir uns nun auf 1.900m befinden und morgen in einer der höchstgelegenen Städte der Welt auf 4.400m klettern wird zwischendrin nicht viel Zeit zur Entspannung sein. Danach folgen weitere Etappen mit jeweils mehr als 120 Kilometern!

In 3 Tagen sind wir dann in Huancayo.

 

1 mal kommentiert ↓

  1. Danni sagt:

    Hi Martin, schön wieder mal was längeres von Dir zu hören und sehr vernünftig die Entscheidung 12h Strafzeit lieber in Kauf zu nehmen, statt `ne schlimmer werdende Erkrankung. Toi Toi Toi
    Danni

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