Ayacucho-Andahuaylas

In den letzten Tagen haben wir zweimal Pässe von ca. 4200m überquert. Zwischendurch ging es einmal runter bis auf 1800m – also viel bergauf und viel bergab und alles unpaved! Während der erste Aufstieg einzig aufgrund seiner Länge eine Herausforderung war (die Straße war nicht allzu schlecht) wurden wir im Camp und am nächsten mit ganz anderen Widrigkeiten konfrontiert…


Kaum hatte ich nach einer kurzen Abfahrt mit sandigen Stellen, in welchem einen allzu leicht das Vorderrad stecken blieb bzw. keine Kontrolle mehr über das Rad bestand, in der ersten Gruppe das Camp erreicht zogen dichte Wolken auf. Ich schaffte es gerade eben noch mein Zelt aufzustellen ehe der Regen und später massiver Hagel einsetzte. Kein Spaß jetzt noch auf dem Rad zu sitzen… Aber ich konnte mich ja in meinen Schlafsack flüchten und machten mit dem “beruhigenden” Regen auf dem Zelt unfreiwillig einen Mittagsschlaf.
Als ich wieder aufwachte waren die meisten Fahrer im Camp. Aber trotz Sonnenschein war es nicht wirklich warm. Als dann beim Abendessen ein Gewitter mit erneutem heftigen Hagelschauer aufzog, war es mit der Gemütlichkeit vorbei! Über Nacht klarte es dann wieder auf – soweit so gut, aber alles war abends nur feucht war, war jetzt gefroren. Das galt für Socken und Handtücher, aber auch in den Trinkflaschen befand sich nichts weiter außer Eis!
Der Start der Etappe erfolgte dann jedoch bei klarstem Himmel mit bester Sicht. Und schon nach ein paar Metern war es garnicht mehr so kalt. Zum Glück folgten wir zunächst einem Hochplateau, bevor wir uns auf die 50km lange Abfahrt begeben mussten. Und diese Abfahrt hatte es in sich! Während einige mehr oder weniger leichten Stürzen zum Opfer fielen, hatte ich Glück! Die ersten Kilometer der Abfahrt hörte ich immer wieder seltsame Geräusche an meinem Rad und mit der Zeit gewann ich auch den Eindruck, dass die Vorderbremse nicht richtig funktioniert. Als ich mich dann entschloss besser mal nachzusehen – da noch über 40km Abfahrt mit einigen engen Kurven bevorstanden – stellten Dirck und ich fest, dass der Schnellspanner meines Vorderrades geöffnet war. Er hatte sich vermutlich auf den schlechten Abschnitten mit Waschbrett geöffnet… Glück gehabt. Vielleicht wäre schon nach einigen weiteren Kilometern und einem kleinen Sprung über einen Stein oder ähnliches das Vorderrad alleine weitergerollt, während über den Lenker abgestiegen wäre…
Einige Kilometer weiter der nächste Schock!
Am Rand der Straße sehe ich Dolf liegen, welcher in einer Kurve die Kontrolle über sein Rad verloren haben musste und gegen die Felswand geknallt war. Wir stoppten alle und versuchten den einige Kurven weiter unten zu sehenden Support-Truck durch Winken auf uns aufmerksam zu machen. Leider ohne Erfolg! Da Dolf vermutete sich den Arm gebrochen zu haben, blieben einige von uns bei ihm, während Rob und ich uns auf die Verfolgung des Trucks machten um Hilfe zu organisieren. Da wir kein zusätzliches Risiko eingehen wollten hatten wir Glück, dass wir den Truck im nächsten Ort an der Tankstelle einholten und zurück schicken konnten. Trotzdem setzten wir den Downhill fort um auch Didier, unseren Arzt, Fahrer und Verantwortlichen für den Lunch-Stopp, zu informieren. Auf der restlichen Abfahrt, für welche wir noch mehr als eine Stunde benötigten Stürzten kurz nacheinander Rob und Gerard jeweils nur einige Meter vor mir. Anscheinend brachte vor mir zu fahren heute absolut kein Glück… Gottseidank waren beide Stürze aber harmlos und beide konnten sofort wieder aufsteigen!
Den Rest des Tages starten wir einen erneuten Anstieg, welchen wir am nächsten Tag bis auf 4200m fortsetzten. Für die knapp 40km mit ca. 1400 Höhenmetern brauchten wir auf deutlich schlechteren Straßen nahezu drei Stunden! Die erneute Abfahrt verlief zwar ohne Stürze, war dafür aber trotzdem kein Spaß. Viele Baustellen mit wechselnden Straßenverhältnissen, Umleitungen und eine Lotterie ob man an den einspurigen Passagen bis zu 10 Minuten warten mussten, kosteten einige Kraft ehe wir dann endlich zum nächsten Ruhetag hier in der kleinen Stadt Andahuaylas angekommen sind.

 

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  1. Gute Morgen aus Malta, Wir sind erst seit Gestern auf Euren Webseiten aufmerksam gemacht. Tamara, die Tochter von Gerrit, hat uns die Seite vermittelt. Chapeau, Bravo, wie in Schillers’ Wilhelm Tell heben wir den Hut und grüssen aus Ehrfurcht aber dann freiwillig! Herzlichen Grüssen an allen, ins besondere an Gerrit. Wir freuen uns auf weiterem spannendem Berichte! „Es Lebe Hoch das Vélo“

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