Coyhaique-El Calafate

An 9 Tagen am Stück im Sattel kann einiges passieren.
Nach dem wir das mehr als rechtzeitig weihnachtlich voll ausgestattete Hotel in Coyhaique verlassen hatten und Wilbert “le Tour-Directeur” uns angekündigt hatte, dass wir auf der anderen Seite der Anden mit weniger Regen, dafür aber mit mehr Wind zu rechnen hätten, machten wir uns auf in den kalten Nieselregen.

Langsam die mittlerweile deutlich niedrigeren Anden bis auf 1400m heraufkletternd kämpften wir mit der Kälte, dem Wind und dem Regen. Nach einer Abfahrt nach dem ersten von zwei kleinen Pässen waren wir ordentlich durchgefroren, die Hände waren kaum noch zu spüren. Schalten und Bremsen war schwierig, da man die gefühls- und kraftlosen Finger kaum noch steuern konnte. Immerhin war der Lunchtruck bereits vor uns, nachdem er die notwendigen Einkäufe wohl einigermaßen zeitig erledigen konnte. Und zum Glück sollte er nicht mehr allzuweit entfernt sein. Nun stand die Entscheidung an anzuhalten oder lieber einigermaßen im Rhythmus und warm zu bleiben indem man sich nur eine Banane o.ä. ins Trikot steckte. Der Lunchstopp war allerdings noch nicht ganz aufgebaut, so dass wir uns dann doch für einige Zeit in den trockenen und einigermaßen geheizten Truck zurückzogen. Nachdem wir uns gemeinsam der nassen Handschuhe entledigt hatten, kehrte langsam das Gefühl in den Fingern zurück. Besonders Peter zitterte immer wieder am ganzen Körper und preparierte sich für die zweite Hälfte mit Plastiktüten um Nässe und Wind Paroli zu bieten.
Nachdem wir uns wieder raus getraut hatten, wärmte uns der folgende Anstieg einigermaßen auf. Auch wenn es zum Pass hin tatsächlich anfing zu schneien und man oben schon von einer geschlossenen Schneedecke sprechen konnte. War uns für die andere Seite mehr Wind und weniger Regen angekündigt, so wurde es tatsächlich direkt nach dem Gipfel deutlich wärmer (als die 1° C. im Anstieg) und es lag kein Schnee mehr. Den Schnee zwischen dem Regen und dem Wind hatte uns der Tour-Directeur allerdings verschwiegen…

Der nächste Tag führte uns wieder über die Grenze nach Argentinien. Nachdem ich schon auf der letzten Etappe über die Grenze nach Chile – welche meistens ohne Zeitwertung sind – zum ersten Mal die Schnauze voll hatte vom Biken, war es diesmal kaum besser. Zuerst ging es permanent auf und ab durchs Niemandsland zwischen Chile und Argentinien, dann verkehrte sich die erwartete Entspannung auf der größeren Straße in Richtung Perito Moreno als wenig besser. Zwar war der Wind nun mehr oder weniger im Rücken, trotzdem ging es nicht richtig voran, so dass ich ein weiteres Mal anfing alles zu hassen: die Pampa, die Offroad-Piste, das Kopfwackeln des kleinen Clowns auf meinem Lenker… Und ich war ein weiteres Mal wirklich froh das Camp zu erreichen!

Tag 3 begann zunächst prächtig! Die gute neue Asphaltstraße war statt 50km 90km ausgebaut und der Wind war mehr im Rücken, so dass es schnell voran ging. Doch mit der Straßenbelag wechselt auch die Richtung und wir hatten erneut einen kräftigen Seitenwind. In diesem schweren Teil sah ich schließlich Erik am Horizont, dem ich immer näher kam. Da auch hier an einer neuen Straße zumindest schon gearbeitet wurde, war es häufig einfacher auf der etwas aufbereiteten Piste zu fahren. Dass diese aber an einer Stelle nicht der alten bestehenden Straße folgte, sondern offensichtlich einer neuen Straßenführung folgte, merkten Erik und ich erst, als die Piste wortwörtlich im Sande verlief. Wir wussten die andere Straße links von uns und kletterten dementsprechend in diese Richtung mit dem Rad auf der Schulter hinauf. Doch in der sich oben ausbreitenden Pampa war keine Straße zu sehen. Nach einem Blick auf die kleine Karte, welche wir für jede Etappe erhalten, wurde uns klar, dass die alte Straße hier einen großen Bogen macht. Uns erschien es einfacher querfeldein nach rechts ins Tal hinab zu “wandern”, in welcher wir die Straße sahen. Als wir uns schon recht nahe glaubten mussten wir jedoch noch einen steilen Abhang mit sicherlich 50m Höhenunterschied herunterschlittern, nachdem wir nach mehreren Anläufen eine dafür geeignete, weniger Steile Stelle gefunden hatten.
Den Rest der Strecke trieb uns der Wind wie auch am nächsten Tag immer wieder von rechts nach links über die Piste, wenn man sich trotz extremer Neigung gegen den Wind nicht in der Spur halten konnten. Den Wettervorhersagen zufolge hatten wir es mit Windgeschwindigkeiten von 50-70km/h zu tun. Diese Annahme deckt sich in etwa mit den Geschwindigkeiten, bei denen man – Rückenwind und gute Straße einmal vorausgesetzt – kaum einen Windhauch auf dem Rad spürt…

Die letzten Tage waren etwas einfacher, zum Teil verschonte uns der Wind komplett, nachdem er mit dem Sonnenuntergang am Vorabend abgenommen hatte. So konnten wir nach einem kurzen Tag einen sonnigen Fast-Ruhetag auf einer der Estancias genießen, welche häufig einen kleinen Campingbereich und wenigstens ein Gebäude haben, welches etwas Windschutz bietet.

Für die letzte Etappe nach El Calafate starteten wir mit einer Gruppe um kurz vor vier. Ausgerüstet mit vielen Lampen und der entsprechend wärmeren Kleidung fuhren wir dem Sonnenaufgang und dem Lago Argentina mit seinen darauf treibenden Eisblöcken entgegen.
Dieser frühe Start ermöglichte uns noch an diesem Tag den gewaltigen Perito Moreno Gletscher zu besichtigen, welcher seinerseits nur einen kleinen Teil eines riesigen Eisfeldes mit unzähligen Gletschern bildet, welches das größte Trinkwasserreservoir der Welt ist.

Nun bleiben uns nur noch 11 Etappen, keine 1100km und keine 2 Wochen mehr bis nach Ushuaia in den wir das Abenteuer wohl oder über langsam ausklingen lassen werden…

 

1 mal kommentiert ↓

  1. S sagt:

    halt durch!

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